Digitales Lernen in der Physiotherapie

Eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung ist in der Physiotherapie schon immer fest verankert. Waren es bis vor kurzer Zeit noch primär Präsenzveranstaltungen, bei denen Wissen erworben wurde, rückt das digitale Lernen jetzt immer mehr in den Fokus. Welche Rolle spielt es in der Physiotherapie und welche Vor- und Nachteile ergeben sich für den Arbeitgeber und den Mitarbeiter? Damit befasst sich dieser Artikel…

Digitale Lernformen in der Übersicht

Beim digitalen Lernen unterscheidet man zwischen verschiedenen Lernformen. Webinare mit Referenten finden zu festen Zeiten statt und bieten den Vorteil, dass via Kamera oder über den Chat Fragen gestellt und auf individuelle Themen eingegangen werden kann. Bei Online-Ausbildungen ist dies sogar ein fester Bestandteil, so dass in geringer Gruppengröße eine permanente Interaktion gefordert ist. ELearnings sind hingegen zu jeder Zeit abrufbar und können so sehr flexibel genutzt werden, bspw. bei Terminausfällen und Lücken im Plan des Therapeuten. Sie beinhalten spezielle Themen, die in Videos vermittelt und mit einer Onlineprüfung überprüft werden. In Mediatheken mit klassischen Impuls- oder Lernvideos kann hingegen gestöbert und das Wissen nach Bedarf eigenständig und nach Bedarf recherchiert werden.

Das digitale Lernangebot ist also sehr vielseitig und es sollte entschieden werden, welche Lernmethoden zu welchem Ziel eingesetzt werden. Diese könnten bspw. sein:

  • Unterstützung der Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters
  • Vermittlung neuester Behandlungsmethoden und -techniken an die Therapeuten
  • Strategien zur verbesserten Praxisorganisation am Empfang
  • Führungskräfteentwicklung
  • Vermittlung von Fachkompetenz zu unternehmerischen Themen des Praxismanagements

Mit eLearning zu verbesserten Praxisabläufen

Eine einheitliche Teamsprache und ein gleicher Wissenstand in Bezug auf die wichtigsten Kerntätigkeiten – auch bei neuen Mitarbeitern – ist in der Physiotherapie-Praxis ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Um dies zu gewährleisten, sollten Prozesse klar definiert und in regelmäßigen Fortbildungen geschult werden. Da in der Physiotherapie Meetingzeit immer auch Umsatzausfall bedeutet, gilt es die Vermittlung von Wissen rund um die Kernprozesse so effizient wie möglich zu halten.

ELearning-Kurse für die Kerntätigkeiten am Empfang, in der Therapie bis hin zum Selbstzahlerbereich können die Einarbeitung neuer Mitarbeiter digital begleiten. So entwickelt der neue Mitarbeiter schneller Handlungssicherheit und die Fehlerquote wird drastisch reduziert. In Onlineprüfungen bestätigt er den Wissenserwerb und belegt seinem Arbeitgeber dies mit Zertifikaten. ELearning-Themen für die verschiedenen Mitarbeiterebenen können u.a. sein:

  • Annahme eines Neupatienten am Empfang
  • Optimales Terminieren
  • Zielführendes Telefonieren
  • Präsentation zusätzlicher Behandlungszeit durch den Therapeuten
  • Überführung des Patienten in den Selbstzahlerbereich
  • Verschiedene Personalgespräche wie bspw. Einstellung neuer Mitarbeiter, Erstgespräch bei Fehlverhalten, Lobgespräch, Delegation einer Aufgabe, Entwicklungsplanung

Auch für bestehende Mitarbeiter bietet ein digitales Lernangebot die Möglichkeit, sich orts- und zeitungebunden Weiterzubilden und damit mehr Handlungssicherheit zu gewinnen und neue Themenfelder zu erschließen.

Hybride Lernformeln als Erfolgsformel

Grundsätzlich müssen wir zwischen Wissenserwerb und Wissensanwendung unterscheiden. Jegliche Form der unternehmensorganisierten Weiterbildung in der Praxis hat das Ziel, mit dem vermittelten Wissen den Patientenerfolg, den Mitarbeitererfolg und den Unternehmenserfolg zu steigern. So entsteht eine Win-Win-Win-Serie.

Damit das Know-How auch den Weg in die Umsetzung findet, bedarf es Anwendungstraining. Diese wird in der Regel durch die Führungskräfte – z.B. die Bereichs- oder Praxisleitung – organisiert. Da die Wissensvermittlung bereits durch das digitale Lernangebot stattgefunden hat, konzentriert sich die Führungskraft auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort und auf die Vermittlung von Handlungskompetenz beim Training on the job. Diese Form des hybriden Lernens spart nicht nur Zeit und Geld, sondern fördert auch die eigenständige Lernbereitschaft der Mitarbeiter.

Auch Fort- und Weiterbildungen folgen diesem hybriden Ansatz, so dass sich Mitarbeiter eigenständig Inhalte im Vorfeld erarbeiten können und sich beim Praxisteil der Fortbildung mehr auf die Wissensanwendung und Zusammenhänge fokussieren können.

Fazit

Digitales Lernen ist in der Physiotherapie-Branche längst ein wesentlicher Faktor geworden und bietet für den Mitarbeiter und auch den Arbeitgeber nur Vorteile. Neben Fachfortbildungen spielt auch das begleitende, strukturierte Wissensmanagement rund um die Praxisabläufe eine immer wichtigere Rolle um die Effizienz der Praxis zu steigern und damit mehr Ressourcen für die Positionierung als starker Arbeitgeber im umkämpften Wettbewerb um Fachkräfte bereitzustellen.

Fort- & Weiterbildung als Teil der Praxis-DNA ist eine wichtige Säule der Arbeitgeberattraktivität und zieht – kombiniert mit weiteren Benefits – potenzielle Bewerber an.

Über den Autor

Yannik Hoenig ist Inhaber einer Privatpraxis für Physiotherapie und eines medizinischen Trainingszentrums. Er lebt die Vernetzung von Therapie und Training in seinem eigenen Unternehmen und steht als Experte für klar definierte Prozesse und ein praxisorientiertes Qualitätsmanagement. Als Gesellschafter der POSITION Physio GmbH unterstützt er Praxen im deutschsprachigen Raum auf dem Weg zu mehr Wirtschaftlichkeit, begeisterten Mitarbeitern und einer exzellenten Positionierung als attraktiver Arbeitgeber.

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